Kent

James Tyler Kent (* 31. März 1849 in Woodhull, New York; † 5. Juni 1916 in Sunnyside Orchard, Stevensville, Montana) war ein US-amerikanischer Arzt und Homöopath. 1897 veröffentlichte er ein Repertorium, das noch heute eine Grundlage der homöopathischen Praxis ist. Angeregt durch das Erlebnis der Heilung seiner Frau begann Kent ein autodidaktisches Studium der Homöopathie. Er gab 1879 seinen Lehrstuhl am American College auf und widmete sich nur noch dem Studium der Homöopathie. Erst 1883 übernahm er wieder eine Lehrtätigkeit als Professor für Chirurgie am Missouri Homoeopathic College. Im Jahre 1889 wurde ihm das Diplom dieser Schule für seine Kenntnisse in der Homöopathie verliehen. Bereits seit 1888 hatte er hier einen Lehrauftrag für Materia medica gehabt.

Kent gewann Einblicke in die Probleme von Krankheit und Heilung, die ihn dazu veranlassten, eine neue lehr- und praktizierbare Methode des Symptomenstudiums und der Similefindung in der Homöopathie zu erarbeiten. Nach seiner Auffassung ist die Grundursache aller Krankheiten des Menschen eine Ordnungsstörung im Inneren des menschlichen Organismus. Diese trete in Form verschiedener chronischer Krankheiten auf. Der Auslöser der Ordnungsstörung sei der erste große Fehltritt des Menschen - die Ursünde. Damit ist es für ihn eine Frage, die von der Philosophie und Theologie untersucht werden muss. Er betont die Wichtigkeit der geistig-seelischen Vorgänge und ordnet demzufolge den Geistes- und Gemütssymptomen die oberste Stelle in der Hierarchie der Symptome zu. Der Behandler muss nach seiner Auffassung wissen, wie sich jede Krankheit äußert, in Sprache, Aussehen und Empfindungen. Er müsse aber auch wissen, welchen Einfluss jedes Mittel auf Gedächtnis, Vernunft und Willen im Menschen hat, denn homöopathische Mittel wirken einzig durch den Geist, das Gemüt auf den Körper. Ferner müsse er wissen, wie die Mittel die Körperfunktionen beeinflussen, denn nur über diesen Weg geht die Wirkung der Mittel auf den Körper.

Kent entwickelte eine Art homöopathischer Typenlehre. Er beschreibt die Wirkung homöopathischer Mittel synonym mit dem Krankheitsbild. Der Patient braucht nicht Belladonna, sondern er ist Belladonna usw. Seine unter dem Titel Kents Arzneimittelbilder 1905 erschienenen Vorlesungen zur Homöopathie sind ein alphabetischer Parcours durch die damals bekannten Heilmittel.